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Kugelfisch oder: Tagebuch einer Schwangerschaft und jungen Mutter

Flaschenpost am Strand

89. Mamiwoche, 34. Schwangerschaftswoche oder: verfrühtes Déjà-vu

5. Februar 2010 - 12:53 Uhr von Kugelfisch

Raten Sie mal, wo ich gerade bin. Im Krankenhaus. Wie Sie merken, ist es diesmal eines mit Internetzugang – und somit ein anderes wie bei Timo damals. Ich habe mich nämlich leider nicht wegen des vielen Renovierungsstress’ so komisch gefühlt. Nein, ich habe mal wieder eine waschechte Schwangerschaftsvergiftung und das auch noch drei Wochen früher als beim letzten Mal. Diesmal ist es zwar nicht HELLP, sondern eine Präeklampsie, aber unterm Strich führt sie zum selben Ergebnis: Verdrängungsstrategie hin oder her, ich muss vorzeitig entbinden. Und das, wie Sie an meiner Schwangerschaftswoche sehen können, ein bisschen arg vorzeitig.

Ich bin inzwischen schon drei Tage im Krankenhaus. An den ersten beiden Tagen wurde wie bei Timo damals ein 24-Stunden-Sammel-Urin genommen. Ich hatte acht Gramm Eiweiß in sieben Litern Pipi aus 24 Stunden. Ab 3,5 Gramm zu viel Eiweiß heißt das Kind leider schon Schwangerschaftsvergiftung. Schön reden und abwarten ist also nicht mehr. Da die Jungs und Mädels hier einen weiteren Kaiserschnitt vermeiden wollen und die Werte des Babys noch okay sind, versuchen sie mal wieder, die Wehen einzuleiten. Diesmal mit Gel statt wie damals mit dem Tropf.

Noch tut sich ehrlich gesagt nicht viel. Zwei Versuchstage habe ich noch, sonst folgt der Kaiserschnitt. Wenn ich mich noch einen Tag lang rette, kommt der Spatz immerhin in der 35. Woche zur Welt. Wirklich tröstlich ist das aber nicht. Es wird ein waschechtes Frühchen, das mindestens zwei Wochen im Krankenhaus bleiben muss, bis ich es mitnehmen darf.

Alex und Timo sind jetzt zu Hause. Für Timo ist das alles nur ein Spiel. Für mich ist es der blanke Horror. Ich hasse es, meinen Sohn alleine zu lassen. Und das auch noch so lange. Die zwei Wochen Krankenhausaufenthalt des Wurmes werde ich ja auch hier verbringen. Und schon lasse ich Nummer eins alleine, weil ich mir eingebildet habe, ich bräuchte noch eine Nummer zwei. Das schlechte Gewissen nagt. Hinzu kommt die Angst vor einem Frühchen. Davor, dass etwas schief geht. Davor, dass das kleine Wesen noch nicht klarkommt, wenn es nicht mehr im Bauch ist. Davor, dass diese Sache alles negativ verändern wird. Ich könnte schreien! Da hilft es auch nicht, dass ich kostenlos Sky im Krankenhaus-TV empfange.

(1 Bewertung)
 

Kommentieren

Profilbild von Sid

erstmal wünsche ich Dir alles erdenklich gute für Dich und Baby Nummero zwo.

 

Dann möchte ich Dir gerne den Kopf waschen. Denn Timo ist nicht "allein gelassen". Timo ist bei seinem Papa, der ihn schließlich auch lieb hat. Und ich glaube nicht, daß es irgendwem gut tut, wenn Du Dir jetzt nur Gedanken darüber machst, was für eine angebliche Rabenmutter Du bist. Das ist sicher auch Bestandteil Deiner Verdrängungsstrathegie aber das geht grade nicht. Es ist wichtig, daß Du Dir und Euerm Baby Zeit und Ruhe gönnst. Vertrau' den Ärzten und vertrau' Alex. Und Rabenmama bist Du noch lange nicht, denn Du hast Dir eine Situation ja nicht ausgesucht. 

 

Ich schicke Dir eine dicke Umarmung! 

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