BeQueen Logo
Ähnliche Themen
»
»
»
„Die Krabbe“: Interview mit Markus Ridder über seinen bayrischen Krimi
(1 Bewertung)

„Die Krabbe“: Interview mit Markus Ridder über seinen bayrischen Krimi

Markus Ridder hat seinen ersten Krimi „Die Krabbe“ in der Region um Landsberg und den Ammersee angesiedelt. Die Handlung rund um den Privatdetektiv Max „Die Krabbe“ Baum ist besonders spannend für alle, die die schöne Gegend im Süden Bayerns kennen. Doch auch alle anderen Krimi-Fans werden an diesem komplizierten und zuletzt ganz schön blutigen Fall ihre wahre Krimi-Freude haben. beQueen hat den „zugezogenen“ Markus Ridder interviewt: Er erklärt, warum jeder Krimi sozusagen lokal ist und ob aus dem netten Loser-Typen Max Baum wirklich ein rücksichtsloser Killer werden könnte.

Die Krabbe, Markus Ridder, Krimi, Interview

„Die Krabbe“ ist der erste Krimi von Markus Ridder. 

Herr Ridder, wer ist die Krabbe?
Max Baum, gescheiterter Journalist und antriebsloser Detektiv, ist die Krabbe. Er ermittelt in der beschaulichen Landsberg-Ammersee-Region, sein Job langweilt ihn und sein anstehender 40. Geburtstag führt ihn an den Rande einer Midlife-Crisis. Als er erfährt, dass er Vater wird, sieht Max sich gezwungen, sein Leben in den Griff zu bekommen. Dazu ergibt sich im Rahmen seiner Ermittlungen tatsächlich bald eine Chance, doch diese stellt sich als trügerisch heraus: Max gerät in einen Sog aus Verbrechen, Lügen und Gewalt, dem er sich kaum entziehen kann. In diesem Zusammenhang verdient er sich auch seinen Spitznamen „Die Krabbe“ – aber hier will ich nicht zu viel verraten.

Musste „Die Krabbe“ sozusagen vor Ihrer Haustüre stattfinden (Untertitel: Ein Landsberg-Ammersee-Krimi) oder hätte Ihr Krimi auch geografisch woanders handeln können?
Die Handlung könnte sich in jeder x-beliebigen Gegend abspielen. Der Grund, warum sie sich gerade in der Region rund um den Ammersee ereignet, ist simpel: Es war für mich einfach am ehrlichsten und am praktischsten direkt vor Ort zu recherchieren – und irgendwo muss sich ein Krimi ja ereignen. All Crime is local.

Was ist für Sie so speziell an der Region rund um den bayrischen Ammersee?
Die Region ist extrem vielfältig: Sie haben mit Landsberg, Augsburg und Fürstenfeldbruck ein Dreieck interessanter, lebhafter Städte; Sie haben die Ruhe und vielleicht abgründige Stille des Landlebens; und Sie haben die Magie und die Vielfalt des Ammersees. Gerade ein See erlaubt es einem Schriftsteller, durch seinen Facettenreichtum unterschiedliche Stimmungsbilder zu zeichnen und somit Atmosphäre zu transportieren. Ich habe versucht, diese natürlichen Voraussetzungen zu nutzen und meine Handlung darum herum zu entwickeln.

Die Krabbe, Markus Ridder, Krimi, Interview

Markus Ridder ist 1971 in der Nähe von Köln geboren.  

Welche Figur aus „Die Krabbe“ mögen Sie am liebsten?
Die Hauptfigur Max Baum ist eindeutig die vielschichtigste Figur – und ist damit am interessantesten. Max tritt dem Leser zunächst als eine Art sympathischer Loser entgegen, verwandelt sich dann aber selbst zu einem Gewaltverbrecher. Allerdings nicht durch eine langsame, schleichende Entwicklung. Die äußeren Ereignisse, die er zum Teil selbst mitbestimmt, zwingen ihn stattdessen dazu, ganz plötzlich einen neuen Blick auf sich selbst zu werfen, sich mit einem Mal neu zu entdecken. Mir wird oft unterstellt, dass ich hier in gemächlichen Schritten eine Entwicklung vom Biedermann zum Monster nachzeichnen wollte. Doch die These ist eine andere: Wenn die erste moralische Grenze einmal überschritten ist, fällt der Vorhang mit einem Mal und enthüllt das wahre Wesen des jeweiligen Individuums.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich habe schon in Kindertagen Kurzgeschichten geschrieben und eigene Zeitschriften – natürlich in einer sehr kindlichen Form – konzipiert. Später, nach dem Studium, habe ich ein journalistisches Volontariat absolviert und danach lange Jahre als Journalist gearbeitet. Auf dieser Grundlage habe ich wieder mit dem Schreiben von kürzeren Geschichten begonnen und mich schließlich an den ersten Krimi gewagt.

Wie kann ich mir Ihren Schreibprozess vorstellen? Schreiben Sie morgens, wie lange dauert ein Buch, schreiben Sie direkt am See, also quasi vor Ort?
Tatsächlich ist es für mich sehr wichtig, jeden Ort persönlich aufzusuchen, an dem eine Szene spielt. In bester Reporter-Manier sehe ich mich dort um, versuche Geräusche und Gerüche wahrzunehmen und bin immer auf der Suche nach einem besonderen Detail, das sich zu schildern lohnt. Details machen eine Geschichte realistisch. Ich habe auch immer ein kleines Büchlein dabei und mache mir Notizen. Der eigentliche Schreibprozess findet aber zu Hause statt: im Arbeitszimmer oder auf dem Balkon mit Blick über die Felder. Für „Die Krabbe“ habe ich insgesamt ein Jahr gebraucht, konnte aber immer nur abends oder an Wochenenden daran arbeiten.

Anzeige

Werden Ihre Figuren selbstständig während des Schreibens? Hätte „Die Krabbe“ auch anders enden können?
Tatsächlich stand der Schluss von Anfang an fest. Und auch von den Charakteren hatte ich eine ziemlich klare Vorstellung. Allerdings hat mich Kim, Max Baums Ehefrau, doch ein wenig überrascht: Sie nimmt zu Beginn der Geschichte eine eher passive Rolle ein und wird von den Ereignissen überrollt. Später schafft sie es aber, sich aus eigener Kraft aus ihrer prekären Situation herauszuarbeiten. Sie wird gewissermaßen vom passiven Objekt zum handelnden Subjekt und reift an den Erfahrungen, die sie machen muss.

Ist eventuell eine Verfilmung von Ihrem Krimi geplant?
Sie spielen darauf an, dass ich bei ProSiebenSat.1 arbeite. Allerdings haben sich die Kollegen noch nicht bei mir gemeldet. Aber klar, ich wäre gesprächsbereit. Die Merchandising-Rechte bleiben allerdings bei mir.

Nein, die bildliche Sprache fiel mir spontan beim Lesen auf – vielleicht aber auch einfach, weil ich die Gegend auch ein wenig kenne und somit konkrete Bilder vor Augen hatte. Wem empfehlen Sie denn, „Die Krabbe“ zu lesen?
Mein Ziel war es, ein Buch zu schreiben, das in gewisser Weise zwischen Krimi und Roman steht. Leser, die also eine typische Ein-Ermittler-klärt-auf-Geschichte erwarten, werden vielleicht enttäuscht. Wer aber Lust auf eine realistisch erzählte Story hat, in der es neben dem Thema Verbrechen auch um Liebe und Lebenskonzepte geht, kommt sicherlich auf seine Kosten.

Wir danken für das Interview!

Die Krabbe“ (384 Seiten, broschiert) von Markus Ridder ist bei Pendragon erschienen und über www.amazon.de für 12 Euro 90 erhältlich.

Leseratten treffen sich im beQueen- Literaturclub! Welches ist Ihr Lieblingsbuch, welche Bücherleichen liegen in Ihrem Keller und woran haben Sie sich bis jetzt noch nie gewagt? Alle neuesten Bücher, Kritiken und Interviews finden Sie hier: Bücher.

Weitere Artikel

Autoreninterviews plus Buchkritik

TAGs

* Pflichtfelder
schließen schließen
 
x

Liebe Queens und Kings,

ab dem 1. Juli 2010 wird beQueen.de nicht mehr erreichbar sein. Doch keine Sorge: Wir schreiben
für Sie auf freundin.de weiter! Und auch viele der Highlights von beQueen ziehen zum selben Datum
auf freundin.de um! Kopieren Sie bitte vorsorglich Ihre Blogs oder Bilder, die Ihnen wichtig sind, da
Sie Ihre Inhalte nur noch bis zum 30. Juni 2010 null Uhr aufrufen können.

Wir vom beQueen-Team möchten uns ganz herzlich bei Ihnen für zweieinhalb tolle und spannende
Jahre bedanken. Ihre Blogs und Forenbeiträge waren stets sehr emotional und vor allem sehr offen.
Wir bedanken uns auch für Ihre zahlreichen Kommentare zu unseren Beiträgen. Oft haben Sie uns
inspiriert und es entstanden viele neue Ideen für Artikel, die Sie zukünftig auf freundin.de lesen
werden.

Wenn Sie mögen besuchen Sie uns doch jetzt schon in unserer facebook-Community auf
http://www.facebook.com/freundin.de - wir freuen uns auf Sie!

Danke für alles und wir sehen uns auf freundin.de

Ihr beQueen-Team