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„Rubas Geheimnis“ von Nathalie Abi-Ezzi
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„Rubas Geheimnis“ von Nathalie Abi-Ezzi

Libanon, in den Achtzigerjahren. Die Hexe muss ihren Vater verflucht haben, glaubt Ruba. Warum sonst sitzt er wie ein eingetrockneter Kaktus in seinem Sessel? Also beschließt Ruba, ihren Vater zu retten, und verliert angesichts des näher rückenden Krieges bald ihre kindliche Naivität. Der erste Roman der Libanesin Nathalie Abi-Ezzi überzeugt mit wunderbaren Charakteren und einem wachen, poetischen Blick auf ihre Heimat.

„Rubas Geheimnis“ von Nathalie Abi-Ezzi

„Rubas Geheimnis“ von Nathalie Abi-Ezzi

Fast jeden Tag lesen wir davon in den Nachrichten und doch – der Nahostkonflikt ist für die meisten eine recht undurchsichtige Sache. Die achtjährige Ruba versteht auch nicht, was eigentlich vor sich geht im Libanon, aber sie begreift allmählich: Es ist Krieg im Jahr 1981 in Beirut, und er kriecht langsam den Berg zu Rubas Dorf hinauf. Immer mehr Familien verlassen das Dorf, und das elegante Beirut aus den Schulbüchern stellt sich als chaotische Stadt voller Müll, grauen Häusern mit Einschusslöchern und Kontrollposten heraus. Rubas Mutter putzt und kocht unaufhörlich, der große Bruder Naji sammelt Patronenhülsen und eifert den älteren Jungs mit ihrer Begeisterung für die Milizen nach, Teta, die Großmutter, betet zur Jungfrau Maria in der Hoffnung, es möge alles bald ein gutes Ende finden. Nur der Vater sitzt schon seit Jahren lethargisch in seinem abgewetzten Sessel, und kümmert sich weder um seinen Laden mit all den Töpfen, Wischtüchern und Glasnippes noch um seine Familie. Ruba ist sich mittlerweile sicher: Die Hexe am Ende der Straße muss ihn mit einem Fluch belegt haben. Und so beschließt sie, ihn davon zu befreien, damit alles endlich wieder wie früher wird.
„Ich hörte, wie Teta Gott und Jesus bat, eine lange Liste von unseren Verwandten zu behüten und der Seelen ihres Mannes und ihrer Mutter gnädig zu sein. Ich betete auch. Dass der Fluch über Vater aufgehoben würde, dass Onkel Wadih rechtzeitig zu meinem Geburtstag kommen möge und dass ich niemals Omaschlüpfer tragen müsste wie die von Teta.“

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Anrührend schildert die im Libanon geborene Autorin Nathalie Abi-Ezzi die Geschichte der kleinen Ruba, die mit kindlicher Naivität versucht, die über sie hereinbrechenden Ereignisse zu verstehen. Sie muss früh erwachsen werden, aber in den politischen und religiösen Wirren fällt es nicht leicht, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. „Rubas Geheimnis“ knüpft wohl an die Kindheitserlebnisse der Autorin an, die selbst seit 1983 in Großbritannien lebt. Die Bewegungen und Sprache der Figuren, die Atmosphäre der näher rückenden Bedrohung sind so wunderbar und warmherzig beschrieben, dass man der Geschichte oft selbst in einem Wechselbad der Gefühle folgt. Ein fesselnder, bewegender, ehrlicher Familienroman, der die Stimmung im Libanon der Achtzigerjahre, in der kein Ende des Bürgerkriegs in Sicht ist, auf fantastische Weise einfängt.

Rubas Geheimnis“ (286 Seiten, gebunden) von Nathalie Abi-Ezzi ist bei Rowohlt erschienen und für 19 Euro 95 über www.amazon.de zu bestellen.

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