Zwischen Lenin und Luxus: ein Städtetrip nach Moskau
Go east: Die imposante, spröde Metropole Moskau ist ein Reiseziel für Entdeckerinnen. Zwischen neuem Glanz und abgeblätterten Fassaden offenbaren sich beeindruckende Kunst- und Kulturschätze, eine extravagante Modeszene und ein aufregendes Nachtleben.
Kyrillische Zeichen überziehen die Stadt wie ein mysteriöses Relief. Luxus-Limousinen, verrostete Ladas und BMWs mit getönten Scheiben stauen sich in den Hochhausschluchten und den breiten Boulevards der russischen Hauptstadt. Sie schleichen an neuen Bürodomizilen und den Zuckerbäckerbauten vorbei, mit denen Stalin die Größe der sowjetischen Macht demonstrieren wollte.

Moskaus Prachtboulevards
Moskau ist imposant und faszinierend, schwankt zwischen Größenwahnsinn, Luxus und Ruin und ist mit über zehn Millionen Einwohnern die größte Stadt Europas. Den stalinistischen Hauch des Monumentalen, bisweilen Monströsen, hat Moskau auch sechs Jahrzehnte nach dem Tod des sowjetischen Diktators nicht verloren. Am Rand der Innenstadt wachsen glänzende Wolkenkratzer in die Höhe. Bis 2012 soll hier ein Luxus- und Business-Viertel entstehen als Symbol für Modernität. Aber Moskau ist noch nicht Dubai.
Speed-Dating Moskau
Das Herz der Metropole schlägt am Roten Platz, fünf Kilometer Luftlinie von der Wolkenkratzer-Utopie entfernt. Der ehemalige Paradeplatz ist das Wahrzeichen Moskaus. Jetzt flanieren hier Touristen. Soldaten in strengen Uniformen bewachen die „Ewige Flamme“, das Gedenkfeuer für die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg – und Lenin.
Wer sich auf dem Roten Platz einmal um sich selbst dreht, hat einige der Top-Sehenswürdigkeiten der Welt im Blick: das Mausoleum, in dem der russische Revolutionär Lenin im gläsernen Sarg aufgebahrt ist. Den zinnroten Kreml, die Machtzentrale des Präsidenten. Die Basilius-Kathedrale – die extravaganteste Kirche der Welt, deren zehn Zwiebeltürmchen wie explodierte bunte Bonbons wirken.

Moskau ist ein Fashion-Paradies
Elegante Moskauerinnen im Pelz weisen den Weg zu den Luxus-Boutiquen: Sie stöckeln quer über den Roten Platz gen GUM: In historischer Architektur versteckt sich ein prachtvolles Shopping-Paradies mit Arkadengängen und lichtdurchfluteter Kuppel. Nach einem Espresso im eleganten Cafe Bosco mit Blick auf den Roten Platz laden im GUM über 200 Läden zum Schaufensterbummel ein.
Obama-Püppchen für zu Hause
Günstigere Mitbringsel als im GUM finden sich rechts und links des Arbat, einer langen Fußgängerzone im historischen Zentrum von Moskau. Eine Matrjoschka aus Russland mitzunehmen, ist ein Muss. Die ineinandersteckbaren Holzpüppchen mit pausroten Wangen und Kulleraugen sind in allen Farben und Größen zu haben. Mittlerweile gibt es die Glücksbringer auch im modernen Gewand: Selbst ein Obama, eine Merkel und Putin-Püppchen gehören zum Angebot.
Die Fußgängerzone wird von Geschäften, Restaurants und Cafés in Jugendstilbauten gesäumt, davor verdienen Straßenmusikanten und Maler ein wenig Geld. Arbat, das gleichnamige Künstler- und Szeneviertel rund um die Einkaufstraße wirkt beschaulich. Abseits der Hauptverkehrsadern kann Moskau entspannt und übersichtlich sein.
Zwischen Kommerz und Kommunismus
Galerie Art4ru im Arbat
Skandalisierung und Polit-Propaganda
In einer Seitenstraße versteckt sich eine kleine Galerie. „
Art4.ru“ ist ein privates Museum für zeitgenössische Kunst. Hier hängen moderne Exponate dicht an dicht – ein Farbenrausch. Die junge russische Avantgarde recycelt Staatssymbole und Stil der sowjetischen Propagandakunst, flutet auch mal ein Aquarium und setzt auf Skandalisierung.
Oleg Kulik ist einer von ihnen. Der bekannte Performancekünstler und Fotograf gibt gerne – splitternackt und mit Halsband – den wilden Hund und beißt Kunstfreunden ins Bein. In Zürich wurde er 2003 polizeilich abgeführt. Auch die überlebensgroße Tennisspielerin am Eingang der Galerie, mit hochfliegendem Röckchen und verzerrter Fratze im ausholenden Schlag erstarrt, stammt von ihm. Kulik war regelmäßig Kurator für „
Regina“, der mittlerweile ruhiger und kommerzieller gewordenen, Anfang der 90er-Jahre aber provokativsten russischen Galerie. Zu den legendären Regina-Happenings zählen die Schlachtung eines Schweins und der Auftritt echter Leoparden.
Die international prominenteste Sammlung russischer Kunst ist die
Tretjakow-Galerie. Über 150.000 russische Werke vom Mittelalter bis zum frühen 20. Jahrhundert werden hier zur Schau gestellt. Die neue Tretjakow-Galerie im riesigen Gebäude unweit des Gorki-Parks präsentiert russische Kunst ab 1910 wie Malewitsch, Chagall oder Alexander Rodtschenko. Wer wenig Zeit hat, sollte von hinten anfangen: In den letzten Sälen ist wuchtige Sowjetpropaganda zu bestaunen, die die Alltagsrealität von Arbeitern und Bauern verklärt. Ländliche Idyllen, der Weltalltraum und immer wieder Lenin und Stalin.
Paläste fürs Volk: die Moskauer Metro
Ob der Mega-Staus sollte Moskau-Reisende die Stadt zu Fuß und per Metro entdecken – ein zweisprachiger Stadtplan mit arabischen und kyrillischen Beschriftungen ist dafür unverzichtbar. Jeder Eingang zur russischen Metro wirkt mit dem rot-blinkenden „M“, wie das Tor zu einem geheimen Club. Und tatsächlich verbergen sich prunkvolle Säle im Untergrund, die unterirdischen „Paläste für das Volk“. Die berühmten Wartehallen unter der Erde wie die Metro-Stationen Komsomolskaja, Kiewskaja oder Majakowskaja beeindrucken mit Kronleuchtern, gewölbten Stuckdecken, Mosaiken und Statuen.
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„Paläste für das Volk“
Wodka-Cocktails und schickes Clubbing in Moskau
Von Sushi bis zu traditionellen russischen Delikatessen: Die Restaurantvielfalt Moskaus hält mit anderen Weltstädten mit. Im Open Café werden im Hintergrund schon die Plattenteller gedreht, während der Kellner Blinis – die gefüllten russischen Pfannküchlein – oder leckere Fischspezialitäten serviert. Im Marika trifft sich das Moskauer Szenepublikum in Designerklamotten, das In-Restaurant verwandelt sich nachts in einen elitären Club. Die Auswahl an Bars und Clubs ist in Moskau groß, die Gesichtskontrolle streng. Schickes ausländisches Publikum ist zum Glück gerne gesehen. Die russische Hipster-Szene sammelt sich auch im Vogue Café. Das Vogue ist der Laufsteg für die jungen Schönen. Möchtegern-Models warten auf ihre Entdeckung, blättern in den zahlreichen Modemagazinen oder trösten sich mit süßen Wodka-Cocktails über das Ausbleiben der Fashion-Scouts hinweg. Hoch über Moskau thronen die Gäste des City Space. Die angesagte Bar des Swissotel lockt mit grandiosem Ausblick über das nächtliche Lichtermeer – und einer ebenso bestechenden Cocktailpalette. Die internationale Szene trifft sich später beim Clubbing im angesagten „ Propaganda“. Kleiner, entspannter und mit stylischem roten Plüsch ausstaffiert ist „Sorry Babuschka“. Die eleganten Moskauer Clubs sind selbstverständlich sneakerfreie Zonen: Nachtschwärmerinnen sollten ihre High Heels ausführen und vorsichtig durch die Nacht stolzieren – der russische Wodka ist schließlich legendär.

Auf dem Roten Platz in Moskau
Moskau: hin und weg
Lufthansa, Aeroflot, AirBerlin und Germanwings steuern Moskau ab 100 bis 200 Euro an. Wichtig: Wer nach Moskau fliegen möchte, sollte sich frühzeitig ein Visum bei einer russischen Auslandsvertretung in Deutschland besorgen.
Kunst und Kultur in Moskau
Art4ru, Hlinovsky tupik 4, freitags, 11 bis 22 Uhr
Regina Gallery, Syromyatnichesky pereulok 4, Dienstag bis Samstag, 11 bis 19 Uhr
Alte Tretjakow-Galerie, Lavrushinsky Lane 10, täglich, 10 Uhr 30 Uhr bis 19 Uhr 30
Neue Tretjakow-Galerie, Krymski Wal 10, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 19 Uhr 30
Moskaus Restaurants, Bars und Clubs
Bosco Bar, Red Square 3 (GUM)
City Space, Swissotel Krasnye Holmy, Kosmodamiansky Embankment 52
Marika, Ulitsa Petrovka 21
Open Café, Ulitsa Myasnitskaya 13
Propaganda, Bolshoi Zlatoustinskii Pereulok 15
Sorry, Babushka, Slavyanskaya Ploshchad
Vogue Café, Ulitsa Kuznetsky Most Lubyanka
Übernachten in Moskau
Budapest Hotel, Petrovskiye Linii 2/18
Izmailovo Alfa Hotel, Izmaylovskoe Shosse 71
Hilton Leningradskaya in Moskau, Kalanchevskaja 21/40
Noch mehr Reise-Tipps: Der große Cityguide (freundin.de)
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